#ExiF13 Woche 3 – Wozu brauche ich eine Forschungsfrage?

Die dritte Woche beim Entdecken der Insel der Forschung ist nun schon fast um. Zum Einstieg in das Thema gab es wieder einen Impulsvortrag, diesmal von Karin Krey aus dem Lehrgebiet Allgemeine Bildungswissenschaft der FernUniversität in Hagen. Die von Sebastian Vogt und Markus Deimann gestellte Aufgabe dazu fordert uns auf, Forschungsfragen zusammen zu tragen, die für unser jeweiliges Fachgebiet prägend waren.

Nun bin ich selbst seit ungefähr Anfang Juni damit beschäftigt, DIE Forschungsfrage zu formulieren, die mich endlich guten Gewissens die Hausarbeit zum Modul „Betriebliches Lernen und Organisationsentwicklung“ anmelden lässt. Daher möchte ich die gestellte Aufgabe ein wenig abwandeln und hier über diesen Prozess berichten.

Es begann damit, dass ich ungefähr Pfingsten mich für das Thema Wissensmanagement bzw. dann auch bald schon speziell: Implizites Wissen und dessen Explikation oder Externalisierung zu interessieren begann.  Anfang Juni formulierte ich dann dieses Thema mit Forschungsfrage:

Thema 1: Implizites Wissen als Ressource für Organisationen? Externalisierung aus Sicht der Bildungswissenschaft

Forschungsfrage 1:
Mit welchen bildungswissenschaftlich fundierten Maßnahmen lässt sich implizites Wissen explizieren?

„Bildungswissenschaftlich fundierte Maßnahmen“ fand ich damals schon einen ganz fürchterlichen Ausdruck, vertraute jedoch darauf, dass ich mit zunehmendem Einblick ins Thema auch diesen Ausdruck durch etwas Spezifischeres – oder zumindest Wohlklingenderes – ersetzen würde. Der zunehmende Einblick ins Thema durch viel, viel Lesen hat aber etwas ganz anderes bewirkt: Ich fand meine gestellte Frage überhaupt gar nicht mehr sinnvoll! Das lag nicht an den inhaltlichen Schwierigkeiten, die zum einen mit den Begriffen „Wissen“ und „implizites Wissen“ an sich verbunden sind, zum anderen mit der Kontroverse verbunden sind, ob implizites Wissen überhaupt explizierbar ist. Vielmehr zweifelte ich immer mehr daran, welcher Zweck denn mit den Ergebnissen auf diese Frage verbunden ist. Wem nutzt ein Wissen, dass implizit sowieso vorhanden und wirksam ist, wenn es expliziert wird?

Also begann ich aufs Neue, eine Forschungsfrage zu formulieren. Da ich ja inzwischen eine Menge gelesen hatte und zudem das Oberthema „Kompetenzentwicklung“ lautete fand ich durch einen kreativen Abend mit Clustern und MindMapping zwei neue Fragen und Themen. Da ich zu dem Zeitpunkt schwer verunsichert war, nutzte ich endlich auch einmal Moodle, um zum einen durch das Verfassen eines Beitrages reflektieren zu können, zum anderen, da ich mir wirklich hilfreichen Input erhoffte. Ich stelle das hier nochmal ein:

Forschungsfrage 2: Zu welchen berufspädagogisch verwendeten Begriffen aus dem Themenfeld ‚Lernen im Erwachsenenalter‘ besteht ein Zusammenhang zu dem von Polanyi operationalisierten Konstrukt des impliziten Wissens?

Thema 2: Zusammenhang zwischen dem Konstrukt ‚implizites Wissen‘ und bildungswissenschaftlichen Begriffen zum Themenfeld Lernen im Erwachenenalter

Semantische Analysen finde ich wichtig und spannend. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob das im Rahmen dieses Moduls überhaupt möglich ist. Dazu ist diese Frage auch noch nicht spezifisch genug formuliert: „Begriffen aus dem Themenfeld ‚Lernen im Erwachsenenalter'“ müsste ich dann auf jeden Fall eingrenzen. Ein paar Ansätze dazu habe ich. Stichworte wäre z.B. Erfahrungswissen.

Forschungsfrage 3: Kann die Kompetenzentwicklung durch reflexive Handlungsfähigkeit in Bezug auf implizites Wissen gefördert werden?

Thema 3:  Kompetenzentwicklung durch Reflexionsfähigkeit in Bezug auf implizites Wissen

Die Bedeutung von Reflexion(-sfähigkeit) für den Umgang mit impliziten Wissen scheint mir sehr naheliegend und im Rahmen der Kompetenzentwicklung generell wird diese häufig angesprochen. Der Ausdruck „reflexive Handlungsfähigkeit“ scheint jedoch fast ausschließlich von Dehnbostel so benutzt zu werden.

Soweit der Moodlebeitrag vom 21. Juni mittags. Tatsächlich habe ich eine hilfreiche, inspirierende Antwort erhalten und im Verlauf des Tages weiter über die Bedeutung von Reflexion nachgedacht, die ich im Zusammenhang von Bildungsprozessen enorm wichtig finde. Am späten Abend war der Stand dann folgender:

Forschungfrage 4: Welchen Einfluss hat der systematische Prozess der Externalisierung impliziten Wissens durch Reflexionsunterstützende Begleitung auf die Kompetenzentwicklung?

Doch auch das schrieb ich an dem Abend noch: Im Prinzip finde ich das die genau richtige Frage, wenn da nicht zwei „Abers“ wären:
1. setze ich nun einfach voraus, dass Externalisierung über Reflexion erfolgen kann.
2. „Reflexionsunterstützende Begleitung“ ist meine eigene Wortschöpfung. Damit meine ich eine Aufgabe, die Lernprozessbegleiter, Coaches oder Mentoren übernehmen sollten.

Ich bin mir nicht sicher, ob man so viele Voraussetzungen in einer Forschungsfrage setzen darf.

Was meint ihr dazu? Sind Voraussetzungen dieser Art erlaubt?

Mit dieser Frage habe ich aber dann ersteinmal „gearbeitet“, d.h. die Literatur daraufhin gelesen. Und je mehr ich lese, desto deutlicher scheint mir, verkürzt geschrieben, das Bemühen, implizites Wissen zu explizieren, gar nicht so sinnvoll zu sein. Dann habe ich gestern noch einmal meine Gedanken auf einem DIN-A3-Blatt sortiert:

  • Worum geht es eigentlich [Ziel]?: Meisterschaft/Können/Expertise
  • Welche Mittel ermöglichen das Erreichen des Ziels?: Kompetenzentwicklung (als kontinuierlicher Prozess der Bildung & Ausbildung)
  • Welche Wege [der Kompetenzentwicklung] gibt es?

Da hab ich nun eine Idee, die meine bisherigen Erkundungen zum Thema ‚implizites Wissen‘ mit einbeziehen und gleichzeitig eine Erfahrung berühren, die ich selbst gemacht hab und die mit einem Buch zusammenhängen, dass ich intuitiv – oder per Zufall – vor Jahren mal in der Bibliothek entdeckt habe. Diese Geschichte eignet sich gut, um kurz noch meinen „Drehbuch“-Beitrag zur Themenwoche 2 des #exif13 unterzubringen. [Verlinkung folgt in den nächsten Tagen]

Wie dem auch sei: Gestern habe ich ein weiteres Thema und Forschungsfragen formuliert:

Thema 5: Möglichkeiten und Grenzen der Explikation impliziten Wissens zur Kompetenzentwicklung.

Thema 6: Vom Können zur Meisterschaft: Der Einfluss impliziten Wissens (tacit knowing) und dessen Explikation auf die Entwicklung von Expertise/Kompetenz

Forschungfrage 5/6a: Wie weit kann durch Explikation Kompetenzentwicklung gefördert werden?

Forschungfrage 5/6b: Wie sollte ein Bildungsarrangement gestaltet sein, dass unter Einbezug der tacit-knowing-Theorie Kompetenzentwicklung ermöglicht?

Dazu folgende Anmerkungen: Das „Wie weit“ in Forschungsfrage 5/6a ist ganz bewusst gewählt. Es gibt nämlich gute Argumente, dass ein „zu weit“ genau das Gegenteil von Kompetenzentwicklung bewirken könnte. Und zur Forschungsfrage b: Häufig ist in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik von „Lernarrangements“ die Rede. Ich finde den Begriff „Bildungsarrangements“ einfach passender, wobei ich noch nicht geschaut habe, ob den sonst schon jemand genutzt hat.

Das ist also der Stand der Entwicklung meiner Forschungsfrage für eine 15seitige Hausarbeit für ein Modul im Bachelorstudiengang Bildungswissenschaft. Diesmal wollte ich es mir einfacher machen, als bei meiner letzten Arbeit. Da war das Thema schon angemeldet, der Titel stand und danach habe ich erst Forschungsfrage und Gliederung Stück für Stück immer wieder neu erarbeitet, bis es passte. Zig geschriebene Textbaustellen wieder ausgegliedert. Jetzt wollte ich es mir einfach machen und gleich DIE perfekte Forschungsfrage formulieren. Uuups, vielleicht liegt da der Fehler: Perfekt geht nicht! Je tiefer man in ein Thema einsteigt – und das passiert ja zwangsläufig – desto mehr Facetten, desto tiefere Erkenntnisse, desto mehr Fragen. Und vor allem – weiterführende Fragen. Forschung ist ein Prozess, das Schreiben einer Arbeit, eines Artikels, das Design eines einzigen Forschungsprogramms kann immer nur eine statische Momentaufnahme sein. Meine Erkenntnis für heute: Eine Forschungsfrage ist eine Entscheidung!

Wenn ihr mir helfen wollt, endlich eine Entscheidung zu treffen, dann kommentiert, was Euch in den Sinn kommt 😉

formuliert:

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