„Kritik“ Teil 2 zum Impulsvortrag…

… der #ExiF13 Woche 1: Was ist wissenschaftliches Arbeiten?

Ein paar Punkte, über die ich mir seit letzter Woche Gedanken mache, sind noch übrig geblieben. Die „Theoriearbeit“ wird uns dann ab heute Abend sicher noch mehr beschäftigen.

Theoriearbeit

Im ersten Teil des Impulsvortrages hat Professor Bastiaens etwas sehr entscheidendes über die Darstellung von Theorien gesagt:

. […] Macht Euch erst Gedanken über: „Was ist der Kontext der Forschungsarbeit“. Das ist sehr sehr wichtig! Und natürlich braucht man sehr oft theoretisches Wissen: Was haben andere Wissenschaftler in ihren Projekten gelernt? Was haben die aufgeschrieben? Also jede wissenschaftliche Arbeit hat auch einen theoretischen Teil. Aber dieser Teil kann kein Ziel für sich sein. […] Sehr oft werden Theorien in Arbeiten zusammengefasst. Ich bin davon überhaupt nicht beeindruckt. Ich finde wichtig beim Theorieteil: Warum nutze ich diesen Theorieteil? Was hat diese Theorie mit dem Kontext des Problems zu tun? Also der Alltag. Wo ist diese Theorie wichtig? Was können wir für diese Arbeit aus der Theorie ableiten? Ich erwarte eigentlich bei einer Abschlussarbeit genau eine Antwort auf die Fragen und ich möchte mir sicherlich nicht die Antwort auf all diese Fragen […] selber rauslesen müssen aus dem theoretischen Teil. Der Autor einer Arbeit sollte bitte durch Deduktion – von der Theorie auf den besonderen Einzelfall in seiner oder ihrer Arbeit – mir verdeutlichen, warum diese Theorie wichtig ist. [Nicht nur eine Theorie ist wichtig] Nein, eine kleine Erkundung von mehreren Theorien – also eine Erkundung des theoretischen Bereichs – die werden auch in dieser Arbeit erwartet. Und dann auch, warum Sie bestimmte Theorien wichtig finden oder weniger wichtig. Und welche Teile aus einer Theorie Sie nehmen. Theoretische Entscheidungen, nenne ich das dann, die man in der Arbeit trifft, die muss man dann wirklich erklären.

Diese hier angesprochenen Punkte finde ich für jede Arbeit – auch die geisteswissenschaftlichen – so wichtig, dass mir an dieser Stelle etwas gefehlt hat. Genauer gesagt, Herr Bastiaens deutet es an, aber es dürfte ruhig viel deutlicher hervorgehoben werden: Nämlich der Hinweis darauf, Theorien kritisch (!!) zu prüfen. Das heißt ja auch vor allem zu erkennen, dass es zu fast allen Themenbereichen kontroverse Meinungen gibt. Wissenschaftliches Arbeiten heißt für mich an dieser Stelle, dass verschiedene Ansätze, Modelle, Statistiken, Forschungsergebnisse und vor allem Argumente gegenübergestellt werden und auf ihre Plausibilität hin überprüft werden.

Meiner Erfahrung nach haben grade Studenten Hemmungen, „große Namen“ wie Professoren und Professorinnen, Studienbriefverfasser und zunehmend auch in den Medien präsente Forscher in Frage zu stellen. Grade das halte ich aber für notwendig, um zu eigenen argumentativen Antworten zu kommen. Grade für reine Literaturarbeiten ist das der Kern des Ganzen. Leider scheinen wirklich viele Studierende zu glauben, dass wenn etwas in einem Fachbuch steht, es auch „richtig“ sein muss, so dass es auswendig zu lernen ist. Gut, das ist jetzt ein wenig überspitzt ausgedrückt. Die Frage ist: Lernen Studierende das in ihren Studiengängen? Für das BiWi-Studium an der FernUni sehe ich da auf jeden Fall noch Nachholbedarf. Vor allem wenn ich an das Soziologie-Modul (2D) denke. Dort mussten wir die Texte einiger Soziologen auswendig können, dabei wurde in keiner Weise eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten verlangt. Und diese Texte, die m.E. keinem wissenschaftlichen Standard genügten, boten dazu so viel Anlass…

„Das Andere“

Hier nun noch ein Auszug aus meinem noch nicht veröffentlichten „Dialog“ mit Herrn Bastiaens:

Prof. Bastiaens: Wie schon gesagt: Ich spreche über bildungswissenschaftliches Arbeiten, wissenschaftliches Arbeiten im Bildungsbereich. Für mich ist es wichtig, um den Alltag zu verbessern. Alles andere ist natürlich auch schön und gut, aber wir leben in einer Zeit, in der Effektivität, Effizienz und auch Nutzen sehr wichtig ist.

Katja Kohlstedt: Was ist denn für Sie das „alles andere“? Können Sie ein Beispiel nennen? Mein Gefühl sagt – und das ist wohl ein Ausdruck meines ‚implziten Wissens‘, ein Konstrukt, das ich grade rein theoretisierend semantisch erforsche – dass Sie damit geisteswissenschaftliche, philosophische Fragestellungen meinen. Zu oft hört man über diese „Wissenschaft“, dass sie nicht nutzbringend wäre. Aber zu einem richtig guten Forschungsdesign gehört unter anderem ja auch die Operationialisierung. Und ich behaupte, dass empirische Forschung gut daran täte, sich diesem Teil ihres Forschungsdesigns viel mehr zu widmen, als gemeinhin üblich. Und da kann die empirische Forschung meines Erachtens viel von den Philosophen lernen.

Hier hab ich wieder ein wenig hineininterpretiert, aber es bleibt für mich die Frage: Was ist „alles andere“? Kann es irgendein Forschungsinteresse geben, dass nicht den Alltag verbessert? Der Alltag von Wissenschaftlern im Elfenbeinturm wird womöglich durch Wissenschaftstheorie bereichert…

Fazit: Wissenschaftliche Methoden im Verbund für mehr Qualität in der Forschung

Zum Abschluss möchte ich ein Fazit aus meiner letzten Arbeit (S.18) zitieren, das ich ganz passend auch zu dem allgemeinen Streit um „was ist Wissenschaft“ finde:

Der Verbund von empirischer Forschung, historisch-hermeneutischer Betrachtung und gesellschaftskritisch-ideologiekritscher Reflektion im Rahmen der Bildungswissenschaft ist im Hinblick auf die digitalisierte Lebenswelt notwendig: Die Ergebnisse der empirischen Forschung über das Lernen mit (digitalen) Medien reichen nicht aus, die daraus abgeleiteten Ziele auch in die „Wirklichkeit der Bildungsinstitutionen“ (Klafki 2007, S. 90) zu holen.

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