Das Ende und der Neubeginn – Stufen

Der FernUni-Mooc #ExiF13 ist nun schon einige Wochen vorbei. Meine Hausarbeit habe ich vorgestern abgegeben. Über das Ende des Moocs jetzt noch zu schreiben fällt mir schwer. Leichter fällt es, über die Wirkung des Moocs zu reflektieren. Es ist krass – da wählen die Veranstalter für ihr Thema eine Analogie – die Insel der Forschung zu entdecken – und ich selbst war bei der Arbeit an meinem Thema damit beschäftigt, Erkenntnisvorgänge zu beschreiben, die eben nicht auf rational-wissenschaftlichen Vorgehensweisen beruhen und sich auch nicht so ausdrücken lassen, sondern vielleicht überhaupt nur über Analogien und Assoziationen.

Michael Polanyi war selbst Naturwissenschaftler, bevor er dann irgendwann seine erkenntnistheoretischen Arbeiten verfasste. Und ich kann jedem, der an wissenschaftlichen Erkenntnisweisen interessiert ist, nur empfehlen, sich mit seinem Werk zu beschäftigen. Denn er zeigt sehr deutlich auf, dass JEDEM rational-wissenschaftlichem Denken ein implizites Wissen – das man auch Intuiton oder Gespür nennen könnte – vorausgeht. Die gesamte Analogie, die wir für „unseren“ Mooc angenommen und weitergesponnen haben, belegt das sehr anschaulich. Wir sind geschwommen im Meer der Literatur – unser Gespür hat uns zum Strand gebracht. Wir stehen am Berg der Konfusion – es gibt Kompasse, die uns weiter führen. Und so weiter. Wissenschaftliches Arbeiten ist ein Handwerk, und Expertinnen und Experten zeichnet genau das aus, was für alle Domänen jeglicher Expertise gilt: „When things are proceeding normally, experts don’t solve problems and don’t make decisions; they do what normally works“ (Dreyfus und Dreyfus, 1986, S. 31).

Darüber hinaus reflektieren Experten und Expertinnen verdammt viel über ihre intuitiven Eindrücke. Um das Reflektieren zu üben, blogge ich. Gelegenheit zum Reflektieren (üben) verschaffen mir Moocs und das Verfassen von Arbeiten im Rahmen meines Studiums. Was für ein Zauber…

 

Literaturverweise:

Polanyi, Michael (1966): The tacit dimension. Garden City, N.Y: Doubleday.

Polanyi, Michael (1985): Implizites Wissen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Dreyfus, Hubert L.; Dreyfus, Stuart E. (1986): Mind over machine. The power of human intuition and expertise in the era of the computer. Oxford, UK: B. Blackwell.

Kurz vor dem „Finale Furioso“ – ein Rückblick auf Woche 4 und 5 des #ExiF13

Mein letzter Beitrag ist schon einige Zeit her und der cMOOC „Entdecke die Insel der Forschung/’ExiF13“ nähert sich seinem „Finale Furioso“ heute abend live um 18:00 Uhr.

Da meine Hausarbeit inzwischen angemeldet ist, erhoffe ich mir Impulse, die mich zum Schreiben  so sehr motivieren, dass das jetzt ganz zügig klappt. Gelesen habe ich so Vieles, dass reicht fast für die Bachelor-Arbeit mit…Der Titel lautet jetzt übrigens: „Gestaltung betrieblicher Lehr-Lern-Arrangements unter Berücksichtigung der Bedeutung des impliziten Wissens zur Erreichung eines Expertenstatus“ 

Aber erstmal noch ein kleiner Rückblick auf die Wochen 4 und 5 des #ExiF13:

In der vierten Woche unserer Entdeckungsreise auf der Insel der Forschung fragten wir uns: „Wie findet man methodisch Antworten auf die Forschungsfrage?“ Der Impulsvortrag wurde diesmal von Dr. Hans-Georg Sonnenberg gehalten, der an der FernUniversität in Hagen das interdisziplinäre Modul ‚Methoden der empirischen Sozialforschung, Statistik und computergestützte Datenanalyse‘ betreut. Besonders erfreulich finde ich, dass Herr Sonnenberg auch unter @HgSbg twittert.

In der fünften Woche hat der großartige, wunderbare „Großmeister der Zahlen“ Günter Hohlfeld den Impulsvortrag gehalten – und ich glaube, nicht nur ich war froh, dass der Livestream diesmal doppelt so lang war. Wie immer gibt es den sehenswerten Vortrag nun auch auf Youtube.

Diesmal gab es eine kollaborative Wochenaufgabe, nämlich sehenswerte Statistikvideos in einer gemeinsamen Playlist zu sammeln und zu bewerten. Schon am Abend nach dem Vortrag legten wir auf Twitter los und haben uns „mit enthusiastischer Energie auf Statistik [eingelassen]“ (Zitat von G. Hohlfeld). Am Freitag morgen hatte Marc schon eine Playlist auf Youtube eingerichtet. Leider konnten wir die nicht gemeinsam befüllen, so dass Marc auf Twitter gepostete Links hinzufügte. Angelika hat eine ganze Liste zum OpenScource-Programm ‚R‘ gelistet – was mich besonders freut, denn bei meiner nächsten statistischen Datenauswertung möchte ich gerne mal damit arbeiten. Vor allem, da mir meine Freundin, die Statistikerin ist, dazu mal erklärt hat, dass es gegenüber SPSS und anderen „Klick-Programmen“ den Vorteil hat, dass man eher versteht, was man da rechnet. So ungefähr sinngemäß zitiert.

Wir haben weiter überlegt, wie wir denn nun eine gemeinsame Liste hinbekommen. Die Diskussion findet hauptsächlich in Google+ statt, da reicht dann Twitter einfach nicht mehr. Inzwischen gibt es einen Pearltree, in dem auch die Links zu den anderen Playlists eingefügt sind.

Bei dieser kurzen Zusammenfassung muss ich es jetzt belassen, obwohl es noch viele weitere interessante Beiträge in den vergangenen Wochen gab. Einen muss ich jedoch noch erwähnen, den fantastischen Podcast von Astrid: @ScienFormazione. Dieser ist als Gastbeitrag auf Ruths Blog zu hören.

Für mehr reicht leider die Zeit nicht – neben der zu schreibenden Hausarbeit und dem Finden eines BA-Themas möchte mein Sohn auch mit mir planschen, rutschen, schaukeln  – ich bin sehr froh, dass mir für den #Exif13 bisher so viel Zeit zur Verfügung stand. Denn es macht nicht nur richtig Spaß – ich merke immer mehr, dass dieses Format eines cMoocs mich in meinem Bildungsprozess unglaublich unterstützt!

#ExiF13 Woche 3 – Wozu brauche ich eine Forschungsfrage?

Die dritte Woche beim Entdecken der Insel der Forschung ist nun schon fast um. Zum Einstieg in das Thema gab es wieder einen Impulsvortrag, diesmal von Karin Krey aus dem Lehrgebiet Allgemeine Bildungswissenschaft der FernUniversität in Hagen. Die von Sebastian Vogt und Markus Deimann gestellte Aufgabe dazu fordert uns auf, Forschungsfragen zusammen zu tragen, die für unser jeweiliges Fachgebiet prägend waren.

Nun bin ich selbst seit ungefähr Anfang Juni damit beschäftigt, DIE Forschungsfrage zu formulieren, die mich endlich guten Gewissens die Hausarbeit zum Modul „Betriebliches Lernen und Organisationsentwicklung“ anmelden lässt. Daher möchte ich die gestellte Aufgabe ein wenig abwandeln und hier über diesen Prozess berichten.

Es begann damit, dass ich ungefähr Pfingsten mich für das Thema Wissensmanagement bzw. dann auch bald schon speziell: Implizites Wissen und dessen Explikation oder Externalisierung zu interessieren begann.  Anfang Juni formulierte ich dann dieses Thema mit Forschungsfrage:

Thema 1: Implizites Wissen als Ressource für Organisationen? Externalisierung aus Sicht der Bildungswissenschaft

Forschungsfrage 1:
Mit welchen bildungswissenschaftlich fundierten Maßnahmen lässt sich implizites Wissen explizieren?

„Bildungswissenschaftlich fundierte Maßnahmen“ fand ich damals schon einen ganz fürchterlichen Ausdruck, vertraute jedoch darauf, dass ich mit zunehmendem Einblick ins Thema auch diesen Ausdruck durch etwas Spezifischeres – oder zumindest Wohlklingenderes – ersetzen würde. Der zunehmende Einblick ins Thema durch viel, viel Lesen hat aber etwas ganz anderes bewirkt: Ich fand meine gestellte Frage überhaupt gar nicht mehr sinnvoll! Das lag nicht an den inhaltlichen Schwierigkeiten, die zum einen mit den Begriffen „Wissen“ und „implizites Wissen“ an sich verbunden sind, zum anderen mit der Kontroverse verbunden sind, ob implizites Wissen überhaupt explizierbar ist. Vielmehr zweifelte ich immer mehr daran, welcher Zweck denn mit den Ergebnissen auf diese Frage verbunden ist. Wem nutzt ein Wissen, dass implizit sowieso vorhanden und wirksam ist, wenn es expliziert wird?

Also begann ich aufs Neue, eine Forschungsfrage zu formulieren. Da ich ja inzwischen eine Menge gelesen hatte und zudem das Oberthema „Kompetenzentwicklung“ lautete fand ich durch einen kreativen Abend mit Clustern und MindMapping zwei neue Fragen und Themen. Da ich zu dem Zeitpunkt schwer verunsichert war, nutzte ich endlich auch einmal Moodle, um zum einen durch das Verfassen eines Beitrages reflektieren zu können, zum anderen, da ich mir wirklich hilfreichen Input erhoffte. Ich stelle das hier nochmal ein:

Forschungsfrage 2: Zu welchen berufspädagogisch verwendeten Begriffen aus dem Themenfeld ‚Lernen im Erwachsenenalter‘ besteht ein Zusammenhang zu dem von Polanyi operationalisierten Konstrukt des impliziten Wissens?

Thema 2: Zusammenhang zwischen dem Konstrukt ‚implizites Wissen‘ und bildungswissenschaftlichen Begriffen zum Themenfeld Lernen im Erwachenenalter

Semantische Analysen finde ich wichtig und spannend. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob das im Rahmen dieses Moduls überhaupt möglich ist. Dazu ist diese Frage auch noch nicht spezifisch genug formuliert: „Begriffen aus dem Themenfeld ‚Lernen im Erwachsenenalter'“ müsste ich dann auf jeden Fall eingrenzen. Ein paar Ansätze dazu habe ich. Stichworte wäre z.B. Erfahrungswissen.

Forschungsfrage 3: Kann die Kompetenzentwicklung durch reflexive Handlungsfähigkeit in Bezug auf implizites Wissen gefördert werden?

Thema 3:  Kompetenzentwicklung durch Reflexionsfähigkeit in Bezug auf implizites Wissen

Die Bedeutung von Reflexion(-sfähigkeit) für den Umgang mit impliziten Wissen scheint mir sehr naheliegend und im Rahmen der Kompetenzentwicklung generell wird diese häufig angesprochen. Der Ausdruck „reflexive Handlungsfähigkeit“ scheint jedoch fast ausschließlich von Dehnbostel so benutzt zu werden.

Soweit der Moodlebeitrag vom 21. Juni mittags. Tatsächlich habe ich eine hilfreiche, inspirierende Antwort erhalten und im Verlauf des Tages weiter über die Bedeutung von Reflexion nachgedacht, die ich im Zusammenhang von Bildungsprozessen enorm wichtig finde. Am späten Abend war der Stand dann folgender:

Forschungfrage 4: Welchen Einfluss hat der systematische Prozess der Externalisierung impliziten Wissens durch Reflexionsunterstützende Begleitung auf die Kompetenzentwicklung?

Doch auch das schrieb ich an dem Abend noch: Im Prinzip finde ich das die genau richtige Frage, wenn da nicht zwei „Abers“ wären:
1. setze ich nun einfach voraus, dass Externalisierung über Reflexion erfolgen kann.
2. „Reflexionsunterstützende Begleitung“ ist meine eigene Wortschöpfung. Damit meine ich eine Aufgabe, die Lernprozessbegleiter, Coaches oder Mentoren übernehmen sollten.

Ich bin mir nicht sicher, ob man so viele Voraussetzungen in einer Forschungsfrage setzen darf.

Was meint ihr dazu? Sind Voraussetzungen dieser Art erlaubt?

Mit dieser Frage habe ich aber dann ersteinmal „gearbeitet“, d.h. die Literatur daraufhin gelesen. Und je mehr ich lese, desto deutlicher scheint mir, verkürzt geschrieben, das Bemühen, implizites Wissen zu explizieren, gar nicht so sinnvoll zu sein. Dann habe ich gestern noch einmal meine Gedanken auf einem DIN-A3-Blatt sortiert:

  • Worum geht es eigentlich [Ziel]?: Meisterschaft/Können/Expertise
  • Welche Mittel ermöglichen das Erreichen des Ziels?: Kompetenzentwicklung (als kontinuierlicher Prozess der Bildung & Ausbildung)
  • Welche Wege [der Kompetenzentwicklung] gibt es?

Da hab ich nun eine Idee, die meine bisherigen Erkundungen zum Thema ‚implizites Wissen‘ mit einbeziehen und gleichzeitig eine Erfahrung berühren, die ich selbst gemacht hab und die mit einem Buch zusammenhängen, dass ich intuitiv – oder per Zufall – vor Jahren mal in der Bibliothek entdeckt habe. Diese Geschichte eignet sich gut, um kurz noch meinen „Drehbuch“-Beitrag zur Themenwoche 2 des #exif13 unterzubringen. [Verlinkung folgt in den nächsten Tagen]

Wie dem auch sei: Gestern habe ich ein weiteres Thema und Forschungsfragen formuliert:

Thema 5: Möglichkeiten und Grenzen der Explikation impliziten Wissens zur Kompetenzentwicklung.

Thema 6: Vom Können zur Meisterschaft: Der Einfluss impliziten Wissens (tacit knowing) und dessen Explikation auf die Entwicklung von Expertise/Kompetenz

Forschungfrage 5/6a: Wie weit kann durch Explikation Kompetenzentwicklung gefördert werden?

Forschungfrage 5/6b: Wie sollte ein Bildungsarrangement gestaltet sein, dass unter Einbezug der tacit-knowing-Theorie Kompetenzentwicklung ermöglicht?

Dazu folgende Anmerkungen: Das „Wie weit“ in Forschungsfrage 5/6a ist ganz bewusst gewählt. Es gibt nämlich gute Argumente, dass ein „zu weit“ genau das Gegenteil von Kompetenzentwicklung bewirken könnte. Und zur Forschungsfrage b: Häufig ist in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik von „Lernarrangements“ die Rede. Ich finde den Begriff „Bildungsarrangements“ einfach passender, wobei ich noch nicht geschaut habe, ob den sonst schon jemand genutzt hat.

Das ist also der Stand der Entwicklung meiner Forschungsfrage für eine 15seitige Hausarbeit für ein Modul im Bachelorstudiengang Bildungswissenschaft. Diesmal wollte ich es mir einfacher machen, als bei meiner letzten Arbeit. Da war das Thema schon angemeldet, der Titel stand und danach habe ich erst Forschungsfrage und Gliederung Stück für Stück immer wieder neu erarbeitet, bis es passte. Zig geschriebene Textbaustellen wieder ausgegliedert. Jetzt wollte ich es mir einfach machen und gleich DIE perfekte Forschungsfrage formulieren. Uuups, vielleicht liegt da der Fehler: Perfekt geht nicht! Je tiefer man in ein Thema einsteigt – und das passiert ja zwangsläufig – desto mehr Facetten, desto tiefere Erkenntnisse, desto mehr Fragen. Und vor allem – weiterführende Fragen. Forschung ist ein Prozess, das Schreiben einer Arbeit, eines Artikels, das Design eines einzigen Forschungsprogramms kann immer nur eine statische Momentaufnahme sein. Meine Erkenntnis für heute: Eine Forschungsfrage ist eine Entscheidung!

Wenn ihr mir helfen wollt, endlich eine Entscheidung zu treffen, dann kommentiert, was Euch in den Sinn kommt 😉

formuliert:

#ExiF13 Woche 2: Wie funktioniert Literaturrecherche?

Dirk Eisengräber-Pabst von der UniBib der FernUni Hagen hat in einem äußerst spannenden und informativen Impulsvortrag Antworten auf die Frage: Wie funktioniert Literaturrecherche? gegeben. Hier eine Zusammenfassung:

Zuerst wies Herr Eisengräber-Pabst darauf hin, dass jedes Fachgebiet eigene Wege der Literaturrecherche hat. Daher sollte man konkrete Fragen im Lehrgebiet selbst stellen, man kann aber auch die Fachreferenten der Bibliotheken fragen.

Das Ziel seines Vortrages sollte daher ein Verständnis für die Frage sein, die er so schön formuliert hat, dass ich sie im Orignial zitiere:

„Was passiert eigentlich, wenn ich irgendeine Frage in so einen Suchschlitz hineinwerfe und was kommt dabei raus als Ergebnisliste?“

Im Idealfall ist das Ergebnis relevante wissenschaftliche Fachliteratur auf dem Stand der aktuellen Forschung. Herr Eisengräber-Pabst greift nun das Alemann-Bild wieder auf – wir befinden uns in der Bucht der Litertur, das Delta der Verleger ist zu sehen. Wie lässt sich mit der Flut an Ergebnissen umgehen? Als Bibliotheksmitarbeiter spricht Herr Eisengräber-Pabst technische Filter an. Viel mehr jedoch braucht es eine weitere Strategie, nämlich: Recherche- und Informationskompetenz bei den Studierenden und bei den Lehrenden stärken. Dass Herr Eisengräber-Papst weiß, wovon er spricht, kann man auch in diesem Projektbericht nachlesen.

Fischertechniken

Im Video angelt in einem kleinen Boot ein Fischer in der Bucht der Literatur. Es geht nun um die richtige Angeltechnik. Ein erster Ansatz ist das Schneeballsystem. In den schon vorhandenen Quellen schaut man sich die Literaturverweise an, an denen man sich „langhangeln“ kann: Allerdings führt das möglicherweise zu einem einschränkenden Problem: Es gibt nämlich Forschungsgruppen, die nur auf sich selbst verweisen. Die Lösung heißt: Systematisch suchen – in Herr Eisengräber-Pabst’s Bild gesprochen heißt das dann: Aufrüsten: Es braucht einen Kutter mit Sonar. Drei Mittel der Wahl sind:

  1. Bibliothekskataloge: Zum Beispiel der Karlsruher virtueller Katalog als Metasuchmaschine.
  2. Fachdatenbanken: Ganz wichtig, um aktuellen Forschungsstand zu erfahren. Fachübergreifend ist das kostenpflichtige Web of Science. Es gibt eine Unmenge an Fachdatenbanken und somit eine Unmenge an Einstiegen. Es gibt nicht „den Einen“ Suchschlitz
  3. Fachzeitschriften

Die spezielle Suche in Fachdatenbanken erfordert auch spezielle Techniken. Zwei Beispiele nennt Dirk Eisengräber-Pabst:

1. Trunkierung: Hierbei wird ein Teil eines Wortes ersetzt duch Wildcards

2. Boolesche Operatoren: Mit den Wörtern ‚und‘, ‚oder‘ sowie ’nicht‘ die richtigen Informationen beschaffen.

Wie Filterbubble zustande kommen

Es folgt ein Exkurs in die  Bibliometrie, die in Kurzform übersetzt heißt, „mit quantitativen Mitteln eine qualitative Aussage zu einer Publikation oder einem Autor zu bekommen“. Die Anzahl der Verweise (s. Web of Science) ergibt den so genannten Impactfactor.

Google basiert auf diesem Prinzip und es stellt sich dann die Frage, warum nicht nur Google genutzt wird? Das Problem ist wieder das Schneeballsystem und dass wissenschaftliche Artikel häufig gar nicht von Google erfasst werden können, da die Verlage da einen Riegel vorschieben. Das führt Herrn Eisengräber-Pabst zum

Deep Web

Neue bibliothekarische Suchmaschinen bemühen sich, das Deep Web zu erfassen. Da bisherige Bibliotheks-Kataloge eher für Rechercheexperten wie Bibliothekare programmiert sind, empfinden sie übliche forschende Nutzer oft als zu sperrig. Neue Suchmaschinen orientieren sich am Nutzer. Ein Zitat, dass mich gestern hier im Garten zum lauten Lachen gebracht hat, woraufhin Nachbarn, Mutter und Sohn äußerst erstaunt guckten, was ich denn beim „Arbeiten“ so mache:

„Die Suchmaschinen, die heute aufgebaut werden, sind die Rache der Nutzer am Bibliothekar“

Es geht dabei um einen Wandel der Suchphilosophie. Kataloge waren darauf aus, den exakten Suchtreffer zu haben, werden jetzt ergänzt oder abgelöst durch Suchmaschinen, die den bestmöglichen Treffer haben. Herr Eisengräber-Pabst findet es immens wichtig, sich diesen Unterschied immer bewusst zu machen, wenn Kataloge oder Suchmaschinen genutzt werden. Ein interessanter Tipp wie ich finde. Da muss man ja auch erstmal drauf kommen.

Als letzte Empfehlung legt Herr Eisengräber-Pabst nahe, Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi (ist für FernUni-Studierende frei lizensiert) oder Zotero (OpenScource) zu nutzen. Dem kann ich mich nur anschließen. Aber das macht ihr doch sowieso alle schon, oder?

Diskussion

In der abschließenden Diskussion, in der auch auf Twitter-Kommentare eingegangen wurde, gab es auch noch interessante Hinweise. Zuerst wurde noch einmal das Thema Filterbubble und die personalisierte Suche angesprochen (Stichwort: bestmögliche Treffer).

Es gibt technische Filter, die durchaus helfen können, sie müssen aber für Suchende sichtbar sein, d. h. jeder sollte diesen selbst ein- und ausschalten können! Sonst könnte es im Extremfall passieren, dass Studierende im Bachelor nur Lehrbücher angezeigt bekommen, und mit anspruchsvollen Journal-Artikeln verschont blieben. Da wäre ich aber ganz schön sauer!

Um mit diesen Filtern umgehen zu können – und sich die Einstellungsmöglichkeiten in der Suchmaske überhaupt bewusst zu machen, müssen eben auch Recherche- und Informationskompetenz gestärkt werden. Und ein stärkerer Austausch zwischen Lehrgebiet und Bibliothek wäre dabei auch hilfreich.

Kristina Lucius sprach noch einmal die Probleme an, die durch einen Rankingalgorithmus sich ergeben. Stichwort ist hier: „Zitierkartelle“ Sebastian Vogt fragte: „Gibt es Alternativen, wie wir relevante Literatur finden können?“ und Markus Deimann: „Oder wie man diese Zitierkartelle entdeckt und wie man damit umgeht?“

Das sind erstmal zwei ganz wichtige Fragen, die allein für sich genommen schon sehr viel Wissen über den Umgang mit Literatur offenbaren. Die Antwort von Herr Eisengräber-Pabst ist aber auch nicht schlecht, wieder ein wenig „böse“: „Das ist doch das Alltagsleben im Wissenschaftsbetrieb“.

Zum Abschluss wurde Dirk Eisengräber-Pabst gebeten, drei Schlagwörter zur Informationskompetenz zu nennen, Aspekte, die er für besonders wichtig erachtet. Er betonte, dass es da nur eines gäbe, alle weiteren wären so weit hintenan, dass sich eine Erwähnung nicht lohne. Aber dieses Eine, das ist so wichtig, dass er es gleich in dreifacher Formulierung umschrieb. Diese hat es verdient, nocheinmal (fast) wortwörtlich niedergeschrieben zu werden:

„Zu wissen was man tut, das ist glaube ich das Allerwichtigste. Ich würde sagen, man sollte immer versuchen zu verstehen, was man tut. Wenn ich diesen Suchschlitz habe, der uns vieles erleichtert, er hat uns konditioniert, er hat uns erzogen – manche sagen: verzogen – aber wir schaffen es heute relativ schnell, mit wenigen Wörtern Dinge zu beschreiben, damit uns eine Suchmaschine ein Ergebnis gibt. Das können wir heute. Das ist gar nicht mal so schlecht. Wir sollten nur wissen, was dahinter steckt. […] Verstehen was da passiert, das ist wichtig!“

Die Hervorhebungen, die ich eingebaut habe, sind nicht nur die Essenz dessen, was Herr Eisengräber-Pabst als wichtigsten Aspekt der Informationskompetenz nennt. Es geht hierbei auch um mein eigentliches Forschungsthema, das ich in den letzten Stunden für diesen Blogbeitrag habe ruhen lassen: Implizites Wissen – „wir wissen mehr, als wir zu sagen wissen“ und ich denke, Herr Eisengräber-Pabst hat uns mit seinem Vortrag geholfen, vieles von dem in uns schon vorhandenen Können der Informationsrecherche ein Stück weit bewusst zu machen. Es also vom „stillschweigenden“ Wissen (tacit knowledge) zu einem expliziten Wissen zu wandeln. Danke sehr dafür, Dirk Eisengräber-Pabst!

„Kritik“ Teil 2 zum Impulsvortrag…

… der #ExiF13 Woche 1: Was ist wissenschaftliches Arbeiten?

Ein paar Punkte, über die ich mir seit letzter Woche Gedanken mache, sind noch übrig geblieben. Die „Theoriearbeit“ wird uns dann ab heute Abend sicher noch mehr beschäftigen.

Theoriearbeit

Im ersten Teil des Impulsvortrages hat Professor Bastiaens etwas sehr entscheidendes über die Darstellung von Theorien gesagt:

. […] Macht Euch erst Gedanken über: „Was ist der Kontext der Forschungsarbeit“. Das ist sehr sehr wichtig! Und natürlich braucht man sehr oft theoretisches Wissen: Was haben andere Wissenschaftler in ihren Projekten gelernt? Was haben die aufgeschrieben? Also jede wissenschaftliche Arbeit hat auch einen theoretischen Teil. Aber dieser Teil kann kein Ziel für sich sein. […] Sehr oft werden Theorien in Arbeiten zusammengefasst. Ich bin davon überhaupt nicht beeindruckt. Ich finde wichtig beim Theorieteil: Warum nutze ich diesen Theorieteil? Was hat diese Theorie mit dem Kontext des Problems zu tun? Also der Alltag. Wo ist diese Theorie wichtig? Was können wir für diese Arbeit aus der Theorie ableiten? Ich erwarte eigentlich bei einer Abschlussarbeit genau eine Antwort auf die Fragen und ich möchte mir sicherlich nicht die Antwort auf all diese Fragen […] selber rauslesen müssen aus dem theoretischen Teil. Der Autor einer Arbeit sollte bitte durch Deduktion – von der Theorie auf den besonderen Einzelfall in seiner oder ihrer Arbeit – mir verdeutlichen, warum diese Theorie wichtig ist. [Nicht nur eine Theorie ist wichtig] Nein, eine kleine Erkundung von mehreren Theorien – also eine Erkundung des theoretischen Bereichs – die werden auch in dieser Arbeit erwartet. Und dann auch, warum Sie bestimmte Theorien wichtig finden oder weniger wichtig. Und welche Teile aus einer Theorie Sie nehmen. Theoretische Entscheidungen, nenne ich das dann, die man in der Arbeit trifft, die muss man dann wirklich erklären.

Diese hier angesprochenen Punkte finde ich für jede Arbeit – auch die geisteswissenschaftlichen – so wichtig, dass mir an dieser Stelle etwas gefehlt hat. Genauer gesagt, Herr Bastiaens deutet es an, aber es dürfte ruhig viel deutlicher hervorgehoben werden: Nämlich der Hinweis darauf, Theorien kritisch (!!) zu prüfen. Das heißt ja auch vor allem zu erkennen, dass es zu fast allen Themenbereichen kontroverse Meinungen gibt. Wissenschaftliches Arbeiten heißt für mich an dieser Stelle, dass verschiedene Ansätze, Modelle, Statistiken, Forschungsergebnisse und vor allem Argumente gegenübergestellt werden und auf ihre Plausibilität hin überprüft werden.

Meiner Erfahrung nach haben grade Studenten Hemmungen, „große Namen“ wie Professoren und Professorinnen, Studienbriefverfasser und zunehmend auch in den Medien präsente Forscher in Frage zu stellen. Grade das halte ich aber für notwendig, um zu eigenen argumentativen Antworten zu kommen. Grade für reine Literaturarbeiten ist das der Kern des Ganzen. Leider scheinen wirklich viele Studierende zu glauben, dass wenn etwas in einem Fachbuch steht, es auch „richtig“ sein muss, so dass es auswendig zu lernen ist. Gut, das ist jetzt ein wenig überspitzt ausgedrückt. Die Frage ist: Lernen Studierende das in ihren Studiengängen? Für das BiWi-Studium an der FernUni sehe ich da auf jeden Fall noch Nachholbedarf. Vor allem wenn ich an das Soziologie-Modul (2D) denke. Dort mussten wir die Texte einiger Soziologen auswendig können, dabei wurde in keiner Weise eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten verlangt. Und diese Texte, die m.E. keinem wissenschaftlichen Standard genügten, boten dazu so viel Anlass…

„Das Andere“

Hier nun noch ein Auszug aus meinem noch nicht veröffentlichten „Dialog“ mit Herrn Bastiaens:

Prof. Bastiaens: Wie schon gesagt: Ich spreche über bildungswissenschaftliches Arbeiten, wissenschaftliches Arbeiten im Bildungsbereich. Für mich ist es wichtig, um den Alltag zu verbessern. Alles andere ist natürlich auch schön und gut, aber wir leben in einer Zeit, in der Effektivität, Effizienz und auch Nutzen sehr wichtig ist.

Katja Kohlstedt: Was ist denn für Sie das „alles andere“? Können Sie ein Beispiel nennen? Mein Gefühl sagt – und das ist wohl ein Ausdruck meines ‚implziten Wissens‘, ein Konstrukt, das ich grade rein theoretisierend semantisch erforsche – dass Sie damit geisteswissenschaftliche, philosophische Fragestellungen meinen. Zu oft hört man über diese „Wissenschaft“, dass sie nicht nutzbringend wäre. Aber zu einem richtig guten Forschungsdesign gehört unter anderem ja auch die Operationialisierung. Und ich behaupte, dass empirische Forschung gut daran täte, sich diesem Teil ihres Forschungsdesigns viel mehr zu widmen, als gemeinhin üblich. Und da kann die empirische Forschung meines Erachtens viel von den Philosophen lernen.

Hier hab ich wieder ein wenig hineininterpretiert, aber es bleibt für mich die Frage: Was ist „alles andere“? Kann es irgendein Forschungsinteresse geben, dass nicht den Alltag verbessert? Der Alltag von Wissenschaftlern im Elfenbeinturm wird womöglich durch Wissenschaftstheorie bereichert…

Fazit: Wissenschaftliche Methoden im Verbund für mehr Qualität in der Forschung

Zum Abschluss möchte ich ein Fazit aus meiner letzten Arbeit (S.18) zitieren, das ich ganz passend auch zu dem allgemeinen Streit um „was ist Wissenschaft“ finde:

Der Verbund von empirischer Forschung, historisch-hermeneutischer Betrachtung und gesellschaftskritisch-ideologiekritscher Reflektion im Rahmen der Bildungswissenschaft ist im Hinblick auf die digitalisierte Lebenswelt notwendig: Die Ergebnisse der empirischen Forschung über das Lernen mit (digitalen) Medien reichen nicht aus, die daraus abgeleiteten Ziele auch in die „Wirklichkeit der Bildungsinstitutionen“ (Klafki 2007, S. 90) zu holen.

„Kritik“ Teil 1 zum Impulsvortrag…

… der #ExiF13 Woche 1: Was ist wissenschaftliches Arbeiten?

Seitdem ich Mittwoch Abend den ersten Impulsvortrag von Professor Bastiaens gesehen habe, lässt mir eín Gefühl des Gepiektseins nicht mehr los. Meinen spontanen Widerstand habe ich in einen Tweet gepackt:

Das hätte mir eigentlich als Diskussion gereicht, aber als dann noch auf Twitter von „BiWi-Scheuklappen“ gesprochen wurde, obwohl doch Bildungswissenschaft in meinen Augen viel mehr ist, als „nur“ empirische Forschungsmethoden, brodelte es innerlich in mir. So sehr, dass ich sogar begonnen habe, den Vortrag abzutippen, um meine ganze geballte Meinung kundzutun. Es ließ mich nicht mehr los, dass jemand „von außen“ ein so eingeschränktes Bild auf die Bildungswissenschaft bekommen konnte. Gehören zur Bildungswissenschaft nicht auch z. B. die hermeneutischen Verfahren? Und überhaupt, was bedeutet denn dieses „Theoretisieren“, von dem Herr Bastiaens nicht so viel hält?

Ich war aufgebracht, und das über Tage. Das liegt wohl daran, dass ich Philosophie studiert habe, und da gewöhnt man sich daran, angegriffen zu werden. Und ich fühlte mich angegriffen. Jetzt, wo ein Teil des Textes der Vorlesung schriftlich vor mir liegt, kann ich meine Kritik nicht mehr so ganz aufrechterhalten. Ich habe nämlich wohl etwas zuviel in Herrn Bastiaens Worte hinein interpretiert. Das möchte ich mit einem Beispiel deutlich machen. Ganz am Anfang des Vortrages sagt Professor Bastiaens Folgendes:

„Obwohl es natürlich verschiedene Wissenschaftsbereiche gibt, spreche ich hier nur über meine Erfahrung in Sozialwissenschaften. […]  Es gibt natürlich ganz andere Wissenschaften…Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften usw. Darüber spreche ich jetzt nicht. Und dann sind meine Erfahrungen auch noch sehr beschränkt auf einen Teilbereich. Das ist die Bildungswissenschaft. […]

Darauf antwortete ich (zum Glück, ohne es gleich öffentlich zu machen):

An dieser Stelle regt sich bei mir zum ersten Mal Widerstand und diesen Satz im Kopf verfolgte ich dann den Rest des Vortrages. Aus diesem Satz lässt sich nämlich heraushören, dass für Sie Bildungswissenschaft als Sozialwissenschaft auf gar keinen Fall geisteswissenschaftliche Methoden beinhaltet. Das sehe ich ganz und gar nicht so. Ihre nachfolgenden Ausführungen lassen sich dann auch so interpretieren, dass eben diese geisteswissenschaftlichen Methoden aus reinem „Theoretisieren“ bestehen.

Meine Interpretation ist unzulässig. Dennoch habe ich viel gewonnen dadurch. Ich beschäftige mich nämlich seitdem noch intensiver mit der Frage: Was ist Wissenschaft? Und wenn man sich all die Theorien dazu anschaut (ähm, „alle“ geht gar nicht), dann kann es nur eine Erkenntnis geben: Der Streit ist noch lange nicht entschieden!

Zwischen #mmc13 und #exif13 – fast wie Semesterferien

Dass ich das erste Mal an einem Mooc teilnehmen konnte, verdanke ich dem Umstand, grade mitten in einem Hausarbeitsschreibprozess zu stecken. Was für einige paradox klingen mag, ist für Mütter, deren kleine Kinder von der Familie betreut werden, vielleicht nachvollziehbar. Nachdem die Hausarbeit abgegeben war, war einfach nicht mehr die Zeit, um z. B. am #coer13 teilzunehmen. Jetzt bin ich wieder im Forschungsprozess für eine Hausarbeit und quasi auch schon für die Bachelorarbeit, nachdem ich Pfingsten endlich ein passendes Thema gefunden habe. „Mein“ Thema ist nun das Wissen, speziell ‚implizites Wissen‘. Damit verbunden Wissensmanagement, aber gleichzeitig auch – je tiefer ich in die Literatur eintauche – Wissenschaftstheorie, Erkenntnistheorie usw. Es ist faszinierend, wie sich die Themen, für die ich mich seit Jahren schon interessiere, immer wieder aufs neue zusammenfügen. Und ganz verblüffend ist, wie der am vergangenen Mittwoch gestartete Mooc von Markus Deimann und Sebastian Vogt von der FernUniversität in Hagen „Entdecke die Insel der Forschung„/#ExiF13 meinem Forschungsthema jetzt schon für Impulse gesorgt hat, die mich auf die Idee einer Spezifikation meiner Forschungsfrage gebracht haben. Aber dazu später mehr, die Idee möchte ich erst ausreifen lassen.

Es scheint also, dass ein Mooc zur richtigen Zeit stattfinden sollte, nämlich genau dann, wenn ich mit einer Studiums- oder Forschungsarbeit beschäftigt bin. Die Begeisterung über die Verknüpfungspotentiale von beidem ist es, was meine Motivation für beides so nach oben treibt. Gut zu „wissen“!